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Manchmal denk’ ich: es gibt keine Weihnacht

Manchmal denk ich: es gibt keine Weihnacht für mich
wie vor Jahren; ich war noch ein Kind.
War das alles vielleicht nur ein herrlicher Traum?
Ach, die Träume vergehn so geschwind!
Doch dann les’ ich auf einmal, als wär es heut’
die Geschichte, die damals geschah,
von den Hirten, den Engeln, dem Stall und dem Kind;
und dann kommt mir die Weihnacht ganz nah.

Manchmal denk’ ich: es geht mir doch eigentlich gut,
aber Gott hat die Armut ersehn.
Ich verdiene, ich habe ein Dach über’m Kopf,
kann ich Krippe und Stall denn verstehn?
Doch dann merk’ ich auf einmal, wie ich wirklich bin:
so selbstsicher und elend zugleich.
Du, HERR, siehst mich nur an und vergibst mir die Schuld.
Deine Armut macht mich reich.

Manchmal denk’ ich: wie lebten zufrieden und froh
einst die Hirten auf Bethlehems Feld.
Aber heute ist einer des anderen Feind.
voller Haß, Streit und Krieg ist die Welt.
Doch dann hör’ ich auf einmal der Engel Gesang
von dem Frieden, den Gott uns nur gibt,
und ein neues, ein besseres Leben fängt an:
Ich kann lieben, weil Gott mich so liebt!

Manchmal denk’ ich: die Weisen, sie kamen weit her
mit Geschenken, so kostbar und schön;
ich, ich stehe mit leeren Händen vor dir
und muß dir meinen Mangel gestehn.
Doch dann weiß ich auf einmal, was du von mir willst,
was als Gabe dir angenehm sei:
mein verzagtes, verlor’nes, verängstigtes Herz.
Nimm es hin, HERR, und mach es neu.

Manchmal denk’ ich: bald ist wieder alles vorbei,
diese Weihnacht, ihr Zauber, ihr Licht;
und der Alltag, der grausame Alltag beginnt
und die Arbeit, die Sorge, die Pflicht.
Doch dann dann spür’ ich auf einmal: Du bleibst ja bei mir,
und das Finstre behält keine Macht.
HERR, das macht mich so froh, und ich danke dir,
für das Wunder der heiligen Nacht!

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