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Gebote Gottes

Wenn ein Mensch das Leben von Jesus geschenkt bekommen hat, dann gelten für ihn die Gebote Gottes, damit das neue Leben auch gelingt. Und diese Gebote gelten präzise und genau, weil sie nur so eine Hilfe sind.

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) hat in seinem Buch "Nachfolge" auf unübertreffliche Weise entlarvt, wie wir Menschen mit religiöser Argumentation einen Eiertanz betreiben, um uns das gute Gebot Gottes vom Leibe zu halten. Wir heben den einfältigen Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes auf und rechtfertigen das mit irgendwelchen übertragenen und verbogenen Bedeutungen.

Bonhoeffer schreibt:
"Wie ist solche Verkehrung möglich? Was ist geschehen, daß das Wort Jesu sich dieses Spiel gefallen lassen muß, daß es so dem Spott der Welt ausgeliefert wird? Wo immer sonst in der Welt Befehle ausgegeben werden, sind die Verhältnisse klar. Sagt ein Vater zu seinem Kind: ,Geh ins Bett!', so weiß das Kind wohl, woran es ist. Ein pseudotheologisch dressiertes Kind aber müßte nun folgendermaßen argumentieren: ,Der Vater sagt: Geh ins Bett. Er meint, du bist müde; er will nicht, daß ich müde bin. Ich kann über meine Müdigkeit auch hinwegkommen, indem ich spielen gehe. Also, der Vater sagt zwar: Geh' ins Bett!, er meint aber eigentlich: Geh spielen.' Mit einer solchen Argumentation würde das Kind beim Vater, würde der Bürger bei der Obrigkeit auf eine sehr deutliche Sprache stoßen, nämlich auf Strafe. Nur dem Befehl Jesu gegenüber soll das anders sein. Hier soll Gehorchen verkehrt, ja Ungehorsam sein. Wie ist das möglich?"

Jede Art von Leben braucht Regeln, die verbindlich gelten. Deshalb sind die Gebote Gottes für einen Menschen, der Jesus Christus folgt, verbindlich. Es ist unsinnig, das als "gesetzlich" zu verleumden. Ist es gesetzlich, regelmäßig zu atmen, zu essen und zu schlafen? Alles, was zum Leben wirklich nötig ist, hat einen verpflichtenden Charakter und muß regelmäßig geschehen. Wir müssen aufpassen, daß wir uns Gottes gutes Gebot nicht mit einer doppelbödigen, religiösen Argumentation vom Leibe halten - sehr zu unserem Schaden!

Ulrich Parzany

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