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Der Schlüssel zum Himmel

Einmal starb ein Ire unverhofft. Nun stand er vor Christus. Der mußte entscheiden, ob der Ire in den Himmel kommt oder nicht.

Eine ganze Reihe Leute, große und kleine, waren vor dem Iren an der Reihe. Er bekam genau mit, was die einzelnen vorzuweisen hatten und wie Jesus entschied.

Jesus schlug in einem dicken Buch nach und sagte zu dem ersten: "Da steht: Ich hatte Hunger, und du hast mir zu essen gegeben. Bravo, ab in den Himmel!"

Zum zweiten sagte er: "Ich hatte Durst, und du hast mir zu trinken gegeben!" Und zum dritten: "Ich war krank, und du hast mich besucht! Bravo, ab in den Himmel, ihr beiden!" Dann kam ein achtjähriger Junge. Zu dem sagte er: "Hier steht: Keiner wollte etwas mit mir zu tun haben. Du aber hast mich zum Mitspielen eingeladen. Bravo, ab in den Himmel!" Und zu einem zehnjährigen Mädchen sagte Jesus: "Hier steht: Alle haben mich beschimpft, du aber hast mich verteidigt! Bravo, ab in den Himmel!"

Bei jedem, der so in den Himmel befördert wurde, machte der Ire erneut Gewissenserforschung, und jedesmal kam ihm das Zittern. Er hatte keinem etwas zu essen gegeben oder zu trinken, und Kranke hatte er nicht besucht und Schwache nicht verteidigt. Wie würde es ihm ergehen, wenn er vor Jesus, dem König, stehen würde?

Und dann war er auch schon an der Reihe. Er blickte auf Jesus, der in seinem Buch nachschlug, und zitterte vor Angst. Dann blickte Jesus auf. "Da steht nicht viel geschrieben", sagte er, "aber etwas hast du auch getan (und der Ire meinte zu beobachten, daß Jesus dabei schmunzelte!). Hier steht: Ich war traurig, enttäuscht, niedergeschlagen - da bist du gekommen und hast mich mit deinem Humor zum Lachen gebracht und mir Mut gegeben. Ab in den Himmel!"

Und der Ire machte einen Freudensprung durchs große Himmelstor.

Eine Fabel

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