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Menschlich glauben

Gott will, daß wir seinen guten Willen erkennen und auch tun. Aber nur er selbst kann Wollen und Vollbringen schenken. Es ist eine menschliche Anmaßung und Überforderung zu glauben, daß ich all das, was ich als Gut erkannt habe, auch sogleich tun könnte.

Menschlich glauben heißt, in seiner Liebe geborgen warten zu können, bis auch mir die gute geistliche Einsicht zur Tat reift.

Wer "menschlich" glaubt, weiß, daß seine Vollkommenheit nicht darin besteht, hier und jetzt schon alles erkennen und tun zu können, sondern darin, Gott alles zuzutrauen.

Wer "menschlich" glaubt, weiß, daß sein Glaube ein Geschenk ist und vertraut darauf, daß Gott uns alles schenken wird - zu seiner Zeit.

Wer "menschlich" glaubt, weiß, daß Gott viel Geduld hat und niemals überfordert. So wird er geduldig und barmherzig mit sich und anderen.

Wer "menschlich" glaubt, wagt immer wieder die Herausforderung, Gottes gute Weisungen zu befolgen. Aber er weiß, daß er scheitern kann und darf.

Wer "menschlich" glaubt, wird bereit, auch seine Unvollkommenheit und sein Scheitern im Glauben vor anderen einzugestehen. Er ehrt damit Gott, der seine "Schätze in irdenen Gefäßen" verbirgt und wird für andere zur Ermutigung, sich mit ihrem "kleinen" Glauben auch von Gott ganz geliebt zu wissen.

Eckard H. Krause

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