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Ein Blick in das Herz Gottes

"Gott hat mir erlaubt, einen Blick in sein Herz zu tun, und ich möchte mit Ihnen teilen, was ich dort gesehen habe. Das Herz Gottes ist heute ein offene Wunde der Liebe. Ihn schmerzt unsere Entfremdung, unsere Überbeschäftigung. Er klagt darüber, daß es uns nicht näher zu ihm zieht. Er trauert, weil wir ihn vergessen haben. Er weint über unsere Bessenheit von "Viel" und "Wenig". Er sehnt sich nach unserer Gegenwart.

Und er lädt Sie und mich ein, nach Hause zu kommen, dorthin, wohin wir gehören. Wir sollen nach Hause kommen, um das zu tun, wozu wir geschaffen wurden. Seine Arme sind weit ausgebreitet, um uns zu empfangen. Sein Herz ist riesengroß, um uns darin aufzunehmen.

Viel zu lange schon sind wir in einem fernen Land gewesen. In einem Land des Lärms, der Hetze und der Massen, in einem Land, wo man nach oben greift und nach unten tritt, wo man schubst und gestoßen wird, in einem Land der Frustration, der Angst und der Einschüchterung. Und er heißt uns willkommen zu Hause: wo man fröhlich ist und wo Frieden wohnt. Zu Hause, wo Freundschaft, Gemeinschaft und Offenheit ist. Zu Hause, wo man sich angenommen weiß und wo man Bestätigung findet. Wir brauchen nicht schüchtern zu sein. Er lädt uns in das Wohnzimmer seines Herzens ein, wo wir unsere alten Hausschuhe anziehen und mit anderen erzählen können. Er lädt uns ein in die Küche seiner Freundschaft ein, wo wir am Tisch miteinander plaudern und es uns gut gehen lassen. Er lädt uns in das Eßzimmer seiner Kraft ein, wo wir nach Herzenslust schlemmen können. Und er lädt uns in das Arbeitszimmer seiner Weisheit ein, wo wir lernen können, wo wir wachsen und uns ausstrecken und all die Fragen stellen, die wir wollen. Er lädt uns an die Werkbank seines Einfallsreichtums ein, wo wir seine Mitarbeiter sein können, wo wir miteinander arbeiten und Ergebnisse mitbestimmen. Er lädt uns in das Schlafzimmer seiner Ruhe ein, wo wir neuen Frieden finden, wo wir nackt sein können, verletzlich und frei. Das ist auch der Ort tiefster Intimität, wo wir bis ins Tiefste erkennen und erkannt werden.

Der Schlüssel zu diesem Zuhause, zum Herzen Gottes ist das Gebet. Vielleicht haben Sie bisher noch nie gebetet, außer in Bedrängnis oder Angst. Vielleicht war der Name Gottes nur dann in Ihrem Munde, wenn Sie wütend waren. Das macht nichts, denn das Vaterherz ist ganz weit offen – Sie sind eingeladen, hereinzukommen.

Vielleicht glauben Sie nicht an das Gebet. Sie haben gebetet und sind bitter enttäuscht worden ... und ernüchtert. In Ihren Augen haben Sie wenig Glauben oder keinen. Das macht nichts, denn das Vaterherz ist ganz weit offen – Sie sind eingeladen, hereinzukommen.

Vielleicht haben Ihnen die Spannungen des Lebens Verletzungen beigebracht, Ihnen blaue Flecken verpaßt. Andere Menschen haben Sie verletzt, und nun glauben Sie, Ihr Leben lang Narben tragen zu müssen. Sie haben alte und schmerzhafte Erinnerungen, die schändlich sind und sehr schmutzig. Verzweifeln Sie nicht. Das Vaterherz ist ganz weit offen – Sie sind eingeladen, hereinzukommen.

Vielleicht haben Sie schon jahrelang gebetet, aber die Worte sind kalt und brüchig geworden. Es passiert kaum etwas. Gott scheint weit entfernt und unerreichbar zu sein. Hören Sie: Das Vaterherz ist ganz weit offen – Sie sind eingeladen, hereinzukommen.

Vielleicht ist das Gebet die größte Freude Ihres Lebens. Sie haben schon Ihr ganzes Leben in diesem geheiligten Umfeld verbracht, und Sie können die Güte Gottes bezeugen. Aber Sie sehnen sich nach mehr: nach mehr Kraft, mehr Liebe, mehr von Gott in Ihrem Leben. Glauben Sie mir: Das Vaterherz ist ganz weit offen – Sie sind eingeladen, noch höher und weiter hineinzukommen.

Wenn das Gebet der Schlüssel ist, dann ist Jesus Christus die Tür. Wie gütig ist Gott, daß er uns einen Weg in sein Herz zeigt. Er weiß, daß wir dickköpfig und hartherzig sind, also hat er uns einen Weg gezeigt, um hineinzukommen. Jesus, der Christus, lebte ein vollkommenes Leben. Er starb an unserer Statt und ist, siegreich über alle dunklen Mächte, auferstanden, so daß wir durch ihn leben können. Das ist die wunderbare Gute Nachricht. Wir brauchen nicht länger draußen zu stehen, durch unsere Rebellion von Gott getrennt. Wir dürfen jetzt durch die Tür der Gnade und Barmherzigkeit Gottes in Jesus Christus eintreten."

Richard Foster

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