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Tut mir leid

Als unser Sohn Jacob knapp zwei Jahre alt war, verfügte er bereits über einen bemerkswerten Wortschatz und ein untrügliches Gespür dafür, wie er seine Worte einsetzen konnte, um seine Welt zu ordnen. Wenn er etwas falsch gemacht hatte zum Beispiel seine Tasse durchs Zimmer geworfen, forderten meine Frau oder ich ihn auf, sie wieder aufzuheben. Dann fragten wir: "Und was sagt man, Jake?" "Tut mir leid", antwortete Jake jedesmal, und wir waren erfreut darüber, dass unser Sohn so gute Manieren hatte.

Dann stellte ich eines Tages fest, dass die bereitwillige Reue, die er zeigte, auch eine Kehrseite hatte. Sobald Jacob laufen konnte faszinierten ihn die Steckdosen in unserer Wohnung. Wir sagten ihm immer wieder, dass er sie nicht anfassen sollte, aber er lachte mich an und sagte: "Tut mir Leid, Daddy." Es tat ihm gar nicht leid. Er versuchte es erneut, und schließlich, nach dem dritten Mal, sagte ich zu ihm: "Jacob, es ist schön, dass du sagst, es tut mir leid, aber ich will, dass du damit aufhörst."

In diesem Moment, als ich diese Worte aussprach, trafen sie mich selbst. Gott will die Sünde von Grund auf entfernen, nicht nur oberflächlich wegwischen. Wenn wir gesündigt haben, ist es passiert. Was geschehen ist, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, ganz egal, wie leid es uns tut. Das, worauf es wirklich ankommt, ist, dass wir an dem arbeiten, was dieser Sünde zugrunde liegt, damit wir sie nicht wieder tun. Wie Traurig muß es Gott machen, wenn wir nur sagen, dass es uns leid tut, und uns nicht von ihm heilen lassen.

Gott vergibt uns, lange bevor wir bereuen. Aber wenn wir die Vergebung wirklich erfahren wollen, ist es notwendig für uns, Reue zu empfinden. Dass Gott mir vergeben hat, dass er mich angenommen hat und mich liebt, schenkt mir die Freiheit, ein geheiligtes Leben zu führen. Buße bedeutet nicht, dass wir den Vorsatz fassen, ab morgen vollkommene Menschen zu sein. Gute Vorsätze sind meist eine Frage der Willenskraft und haben selten bleibende Folgen. Ich habe herausgefunden, dass es besser ist, zu beten, als gute Vorsätze zu fassen. In unseren Gebeten können wir Gott dazu einladen, unser Inneres zu erforschen. Wie der Psalmist können wir beten: "Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine. Und siehe ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege." (Psalm 139, 23-24)

James Smith

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