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Interview mit Noah

Ein Reporter vom Sender Eriwan macht sich an Noah ran und hält ihm das Mikrofon unter den Bart:
"Herr Noah, wir sind alle sehr beeindruckt, von Ihrer Hobbytätigkeit. Würden Sie bitte uns und unseren Hörern an den Lautsprechern sagen, was Sie da gerade bauen?"

Noah: "Ein Schiff"

"Ein Schiff, sehr interessant. Also im Moment sieht es ja noch mehr wie eine Kongreßhalle aus. Also gut ein Schiff. Und was haben Sie mit dem Schiff vor?"

Noah: "Schwimmen"

"Schwimmen? Sehr interessant. Hier oben im Gebirge? Fehlt ihnen da nicht ein bißchen was hier oben? Ich meine, fehlt Ihnen nicht ein bißchen Wasser hier oben?"

Noah: "Es wird 40 Tage lang regnen, dann ist das Wasser auch hier oben."

"40 Tage lang Regen? Was sie nicht sagen? Das widerspricht zwar allen unseren Erfahrungen der Wissenschaft. Auch können unsere Meteorologen, die noch nie gelogen haben, nirgends Anzeichen für einen solchen Überschuss an Regen sehen; aber auf alle Fälle werde ich in Zukunft nur noch mit dem Regenschirm ins Büro gehen, höhöhö. Gummistiefel, Schirm und Hut schützen mich vor jeder Flut.
Sagen Sie, Herr Noah - wie sind Sie denn auf die irre Idee, Verzeihung: auf die interessante Idee gekommen, dieses, Schiff zu bauen? - Und mit dem Regen, woher wissen Sie das eigentlich?"

Noah: "Von Gott!"

"Wie bitte?"

Noah: "Von Gott!"

"Entschuldigen Sie, Herr Noah, Ihre Black & Decker machen solchen Lärm, ich hab da jetzt wohl was nicht richtig verstanden - von wem haben Sie Ihre Informationen?

Noah: "Von Gott. Gott hat es gesagt"

"Herr Noah, gestatten Sie eine letzte Frage. Sie berufen sich hier auf das Wort Gottes. Sind sie studierter Theologe?"

Noah: "Nein"

"Na sehen Sie, da haben wir´s. Sie sind also ein Laie. Also einer, der so ganz naiv einfach das Wort Gottes ernst nimmt."

Noah: "Genauso ist es"

"Moment mal, nun sagen aber die Theologen, man könne das Wort Gottes nicht so wörtlich nehmen. Wenn Gott sagt: Es kommt eine Flut, dann muß man das bildlich, symbolisch verstehen, verstehen Sie, im übertragenen Sinne. Betrachten wir mal das Wort Flut - das sind die gleichen Buchstaben wie Luft. Gott meint also nicht: es kommt Wasser, sondern: es kommt Luft. Viel Luft. Viel Luft = Wind. Also will Gott sagen: Es wird windig. Was halten Sie von dieser Theologie?"

Noah: "Die ist mir zu windig. Ich halte mich lieber an das Wort Gottes. Und wenn Gott sagt: Es kommt eine Flut, dann kommt eine Flut."

"Wortwörtlich? Ist das Ihr letztes Wort?

Noah: "Ja"

"Herr Noah, wir danken Ihnen für das Interview und verabschieden uns von Ihnen mit dem Gruß "Seefahrt ahoi!"


Theo Lehmann

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