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Gottes Wege
"Denn welche auf seinen Wegen wandeln, die tun kein Übles." (Psalm 119,3)
Gottes Wege sind die Wege, die er selbst gegangen ist und die wir nun mit ihm gehen sollen.
Keinen Weg lässt uns Gott gehen, den er nicht selbst gegangen wäre und auf dem er uns nicht voranginge.
Es ist der von Gott gebahnte und von Gott geschützte Weg, auf den er uns ruft. So ist wirklich sein Weg.
Mit Gott tritt man nicht auf der Stelle, sondern man beschreitet einen Weg. Es geht voran oder man ist nicht mit Gott.
Gott kennt den ganzen Weg, wir wissen nur den nächsten Schritt und das letzte Ziel. Es gibt kein Stehen bleiben, jeden Tag,
jede Stunde geht es weiter. Wer seinen Fuß auf diesen Weg gesetzt hat, dessen Leben ist eine Wanderschaft geworden. So wird
es deutlich, dass das Evangelium und der Glaube nicht eine zeitlose Idee, sondern ein Handeln Gottes und des Menschen in der
Geschichte sind. Als Weg kann er auch nicht verborgen bleiben vor den Augen der Menschen. Es wird offenbar, ob auf diesem Weg
Gutes oder Übles geschieht. Es ist auch nicht gleichgültig, ob gelegentlich auf diesem Wege Übles getan wird, so etwa, dass
man sich dann von der mangelhaften Wirklichkeit auf das vollkommene Ideal zurückziehen könnte, oder dass man sich damit
zufrieden gibt, den rechten Weg doch zu wissen, den rechten Glauben zu besitzen, auch wenn man nicht immer danach handeln kann.
"Welche auf seinen Wegen wandeln, die tun kein Übles." Den Weg zu wissen, auf dem rechten Wege zu sein, erleichtert niemals
Verantwortung und Schuld, sondern erschwert sie. Gottes Kinder stehen nicht unter Sonderrecht außer dem einen, von Gottes Gnade und
Weg zu wissen und kein Übles zu tun. Oder sagt Gottes zu viel: Sie tun kein Übles? Sündigen wir Christen denn nicht mehr? Doch wir
haben gesündigt und leugnen es nicht (1. Joh. 1, 8 f.). Aber nachdem wir das bekannt haben, gehört unser Blick nicht mehr unserer
Sünde und unserer schwachen Natur, sondern allein Christus und dem Wort Gottes, das über unsere Zukunft bestimmt und sagt:
"Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, denn sein Same ist in ihm; und er kann nicht sündigen, denn er ist von Gott
geboren" (1. Joh. 3, 9).
Der Weg Gottes ist der Weg von Gott zu den Menschen, und nur so der Weg der Menschen zu Gott. Er heißt Jesus Christus (Joh. 14, 6).
Wer auf diesem ist, wer in Jesus Christus ist, der tut kein Übles.
Dietrich Bonhoeffer
