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Abendgebet - Gebet der liebenden Aufmerksamkeit

Wie bei jeder Gebetszeit beginne ich damit, mich vor Gott einzufinden.
Ich nehme mich wahr, wie ich bin und stelle mir vor, dass Gottes Gegenwart mich einhüllt. Dann beginne ich mit den großen Kreuzzeichen und spreche:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Herr, am Ende dieses Tages trete ich noch einmal vor dich.
Du bist der Ursprung, der tragende Grund und das Ziel aller Wirklichkeit.
Du bist auch der Herr meines Lebens. Darum ist es gut für mich, vor dir dazusein. Und es ist gut, dir zu danken für die vielen Zeichen deiner Liebe, mit der du mich auch heute wieder umgeben hast. Manches, was dieser Tag brachte, ist mir noch rätselhaft.
Ohne dich bleibt mir diese Wirklichkeit verschlossen. So möchte ich nun an deiner Hand auf mein eigenes Leben eingehen.
Hilf mir, die Wirklichkeit dieses Tages ans Licht kommen zu lassen. Lass sie mich mit liebender Aufmerksamkeit anschauen, ohne gleich zu werten und zu beurteilen, was sein darf und was nicht. Hilf mir, zu sehen und gelten zu lassen, was heute war: in mir, durch mich und um mich.

Ich lasse den Tag an mir vorbeiziehen: Stunde für Stunde oder Ort um Ort oder Begegnung nach Begegnung.
Manches betrachte ich wie in Zeitlupe, anderes zieht im Zeitraffertempo an mir vorbei. Wichtig ist nicht die Vollständigkeit, sondern ein Verweilen bei dem "Was sich anbietet". Empfindungen, z.B. Sinneswahrnehmungen bzw. Gefühle wie Freude, Ärger, Angst oder auch Gedanken, die ich in einzelnen Situationen hatte, können wieder aufsteigen - andere melden sich vielleicht jetzt neu.

Aus dem Abstand heraus, den ich in dieser Abendstunde habe, kann ich dann auch Stellung nehmen zu dem, was heute war.

Ich versuche wahrzunehmen wie es mir jetzt damit geht.

Mit der so erfahrenen Wirklichkeit wende ich mich nun wieder Gott zu, im Vertrauen, dass er mich so annimmt, wie ich wirklich bin. - Je nachdem, was ich erkannt habe und wie ich mich heute erlebt habe, wird nun das folgende Gebet mehr von Freude Dankbarkeit oder von Reue und Hoffnung bestimmt sein.

Nun gilt es noch, auf den kommenden Tag zuzugehen: Was bewegt mich schon jetzt im Blick auf den morgigen Tag?

Pläne - Ereignisse - Begegnungen - Hoffnungen - Befürchtungen - ich lege sie in Gottes Hand und bitte um Vertrauen und Zuversicht, um Entschiedenheit für das, was jetzt gerade wichtig für mich ist, wohin mich meine Sehnsucht zieht.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Name unbekannt

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